Mit einem Stipendium der Bürgerstiftung nach England: Meine Sprachreise nach Poole und London

Bewerbung für ein Sprachstipendium

Einmal eine Sprachreise nach Englad zu machen und in die britische Sprache und britische Kultur einzutauchen, das war für mich schon immer ein großer Wunsch. Doch gute Sprachreisen sind teuer. Dann haben wir in der Zeitung von dem Sprachstipendium der Bürgerstiftung Krefeld gelesen: Jedes Jahr können sich Krefelder Schüler auf dieses Stipendium bewerben und 1000 Euro für ihre Sprachreise erhalten. Da habe ich mich an meinen Schreibtisch gesetzt und einfach mal beworben. Die Bürgerstiftung war mir gut bekannt, denn in der Grundschule war ich lange Zeit Mitglied des Geschichtenclubs, der ebenfalls von der Bürgerstiftung gesponsort wird. Und beim Sommerleseclub in der Mediothek war ich ebenfalls schon öfter dabei. Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, habe ich erst einmal länger nichts gehört und schon fast nicht mehr daran geglaubt, dass es mit dem Stipendium klappen könnte. Doch dann kam eines Tages eine E-Mail mit einer Einladung zum Treffen der Stipendiaten. Meine Stipendium-Zusage war irgendwie auf dem Postweg verlorengegangen. Ich bin total ausgeflippt! Es hatte tatsächlich geklappt! Damit hatte ich nicht mehr gerechnet!  

 

Meine Mutter und ich haben uns dann sofort um die Buchung der Sprachreise gekümmert und auch hier hatte ich Glück! Es gab noch einen letzten Platz für mich bei meiner Wunschorganisation: Mit Albion Sprachreisen über die Sparkasse Krefeld nach Poole. 

 

An einem schönen Sommertagnachmittag fand das Treffen der Stipendiaten und der Bürgerstiftung in dem alten Bootshaus im Stadtwald statt. Es gab Pizza, Obst und Getränke und ich lernte die anderen Stipendiaten kennen und konnte mich über unsere Reiseziele austauschen. Einige Stipendiaten planten für mehrere Monate wegzufahren, z.B. nach Australien oder Süd-Amerika, andere nur in den Ferien, wie ich.   

 

Die Sprachreise nach England

Meine Ferien-Sprachreise sollte 17 Tage nach Poole, England, gehen und wurde vom Reiseveranstalter Albion in Kooperation mit der Sparkasse Krefeld angeboten. Die Sparkasse hat im Vorfeld in ihrer AHA-Filiale ein Vortreffen für die  Teilnehmer organisiert und uns Infos zum Reiseablauf gegeben. So konnte ich auch dort schon ein paar Mitreisende kennenlernen. Dann gab es noch ein paar schöne nützliche Give-Aways von der Sparkasse, wie einen London-Stadtplan, einen Reisestecker und eine Tasche.

 

Ich zählte die Tage bis zu den Sommerferien und dann war es endlich soweit! Ich bin ein Mensch der weder Heimweh hat noch sich davor scheut neue Menschen kennenzulernen. Habt keine Angst bei einer Sprachreise keinen Anschluss zu finden. Es gab zwar einige Mitreisende, die mit einem Freund oder Freundin gefahren sind, viele fuhren aber wie ich alleine. Ein Urlaub mit einem Freund, den man lange kennt und der dann mit einem in derselben Gastfamilie untergebracht ist, ist sicher toll, aber bei einer Sprachreise ist es natürlich besonders schön nochmal neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen und man will ja Englisch sprechen! Und das habe ich eine Menge in diesen zwei Wochen!

 

Es geht los!

Dann ging es endlich los! Treffpunkt war der HBF Krefeld. Dort sollten wir von dem Reisebus des Veranstalters gegen frühen Abend aufgesammelt werden und ich lernte die ersten Mitreisenden aus Krefeld und Umgebung kennen. Als dann der Reisebus mit ein bisschen Verspätung eintrudelte, stieg die Vorfreude in mir. Krefeld war die vorletzte Station, die meisten Mitreisenden saßen bereits im Bus. Zwei Teamer von Albion stiegen aus und begrüßten uns freundlich. 

 

Schon im Bus lernte ich ein Mädchen, Lucia, kennen, mit der ich mich auf Anhieb verstand. Ich hatte sie zwar bei Vortreffen in der Sparkasse bereits gesehen, aber dort hatten wir noch nicht miteinander gesprochen. Leider kam Lucia in eine andere Gastfamilie. Ich kam mit zwei Mädchen, die befreundet waren, in eine andere Familie. Wir luden noch die letzten Jugendlichen in Neuss ein, danach ging es Richtung Calais, wo wir mit der Fähre nach Dover übersetzen würden. Die Fahrt im Bus war angenehm und gemütlich und wir vertrieben uns die Zeit mit Quatscherei. Mitten in der Nacht kamen wir schließlich in Calais an und setzten dann mit der Fähre nach Großbritannien über. Irgendwann schliefen wir alle und so war der letzte Teil der Anreise schnell vorbei. In Poole standen bereits unsere Gastfamilien, um uns in Empfang zu nehmen.

 

Ankunft in England

Draußen vor dem Bus wartete eine nett aussehende ältere Dame auf mich und meine beiden anderen Mitbewohnerin. Es war Maureen, meine Gastmutter. Auf dem Weg zu ihnen nach Hause, erklärte sie uns bereits viel. Zuhause wartete John, unser Gastvater. John und Maureen sind bereits Rentner und haben viel Zeit und daher nehmen sie regelmäßig Sprachreisende bei sich auf. Sie waren freundlich und herzlich und ihr Haus typisch britisch! Ich habe mich gleich in den wunderschönen Garten verliebt. Der war total mit Gartenzwergen und anderen kleinen Figürchen und Dekorationen zugestellt und abends war er wunderschön beleuchtet. Meine Unterkunft für die nächsten 14 Tage gefiel mir auf Anhieb. Es war alles sehr gepflegt und gemütlich eingerichtet. Ich bekam sogar ein eigenes Zimmer.

 

Die ersten Tage in Poole

Maureen und John nahmen sich ausführlich Zeit, um uns ein paar Infos über Poole zu geben und uns den Bus-Plan zu erklären, mit dem wir zur Schule fahren würden. Die wichtigste Regel im Haus aber war: Wir sprechen Englisch! Nachdem wir uns bei unserer Gastfamilie etwas ausgeruht hatten, fuhren uns Maureen und John zum Lighthouse. Das Lighthouse wurde für die nächsten 14 Tage unser wichtigster Treffpunkt. Es ist ein Haus mit Kino und großen Räumen. Von dort startete unsere Kennenlerntour durch Poole mit unseren Betreuern. Die Innenstadt von Poole ist einfach toll. Jeder Laden hat etwas Kultiges an sich. Es gab so viele schöne Gebäude und den Poole Quay schauten wir uns auch an. Lu und ich klapperten erst einmal die ganzen Secondhand-Shops ab. Die meisten Secondhand-Shops waren Charity-Shops, in denen Sachen für einen guten Zweck verkauft wurden. Das große Einkaufszentrum von Poole hat uns natürlich auch magisch angezogen! Abends fielen wir todmüde ins Bett und waren gespannt auf den nächsten Tag, wenn wir die Poole High-School kennenlernen würden.

 

 

Unsere Sprachschule in Poole

Obwohl ich zu Hause so gut wie nie Bus und Bahn fahre, kam ich mit dem Bussystem super zurecht. Unser Unterricht fand in der Poole Highschool statt. Da die britischen Schüler aber Ferien hatten, waren nur wir Sprachschüler im Gebäude. Das fand ich etwas schade. Aber dafür waren die Lehrer waschechte Briten. Nach einem Einstufungstest wurden wir in verschiedene Klassen eingeteilt. Meine Lehrerin hieß Ann und sie bemühte sich den Unterricht abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Wir arbeiteten mit einem Arbeitsheft oder machten Rollenspiele und arbeiteten an unserer Aussprache. Ich hatte jeden Tag vier Stunden Unterricht, abwechselnd mal vormittags oder nachmittags.

 

Englisches Essen, Bournemouth und Freizeit 

Die restliche freie Zeit haben wir mit der Gruppe und den Teamern verbracht. Wir fuhren z.B. mit dem Bus in das zwanzig Minuten entfernte Bournemouth zum Bowlen. Bournemouth ist eine sehr schöne und kultige Stadt. Abends gab es im Lighthouse manchmal Veranstaltungen wie eine Filmnacht in einem riesigen Kino, aus dem wir alle wieder mit Ohrwürmern von „The Greatest Showman“ herauskamen oder ein Quizabend bei dem dann tatsächlich auch unsere Gruppe gewonnen hat. Ich lernte typisches, englisches Essen kennen und fand heraus, dass gebackene Bohnen, also „Baked Beans“ eigentlich gar nicht so schlecht schmecken und entdeckte meine Liebe zu Scones, die Lu und ich im Little Teapot, dem süßesten Café überhaupt in Poole, das erste Mal gegessen haben.

 

Da die Läden alle so süß waren, sind wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr rausgekommen. Gegenüber von einem besonders tollen Candy Shop Truly Scrumptious steht das Poole Museum, das wir natürlich ebenfalls besuchten. Die kleinen Häuser in der Altstadt sind wunderschön. An einem Tag haben wir uns im Standup Paddeling am See ausprobiert, uns gegenseitig ins Wasser geschubst und haben unseren Teamer sein Paddel geklaut und sind damit weggepaddelt.  

 

 

Ausflüge nach Oxford und Brighton

An einem Tag mussten wir ganz früh aufstehen und sind mit einem Reisebus zwei Stunden nach Oxford gefahren und durften dann dort zu viert die Stadt erkunden. Natürlich habe ich mir ein Oxford University T-Shirt gekauft. Oxford, „The City of University“, ist wirklich mega. Wir sahen uns die ganzen alten Gebäude an und hingen ewig in einer Bücherei herum, weil das  Untergeschoss so riesig und beeindruckend war. Oxford hat viele wunderschöne Läden und überall trifft man auf Harry Potter.

 

Die Krone verleihe ich Brighton, die jetzt meine absolute Lieblingsstadt geworden ist. An jeder Ecke warten irgendwelche Kunstwerke auf einen und wenn man sich nur mehr in die hinteren Ecken traut sind dort riesige Gravity-Wände und die coolsten Klamottenshops. Es war einfach so cool Brighton unsicher zu machen!

 

Die zwei Wochen gingen schneller als gedacht um und unsere Reisegruppe ist zu einer sehr engen und vertrauten Gemeinschaft zusammengewachsen.

 

Abschied von der Gastfamilie

In der Sprachreise waren im Anschluss noch zwei Tage London enthalten. Also hieß es nach 14 Tagen Aufenthalt in Poole Koffer packen. Der Abschied von meiner Gastfamilie fiel mir sehr schwer, denn ich hatte Maureen und John sehr ins Herz geschlossen. Ich habe die Gespräche und die Mahlzeiten im Wintergarten von Maureen und John sehr genossen. Maureen hat uns immer lecker bekocht und ich mochte Johns Humor. Abends hat John mit uns englische Zungenbrecher geübt und wir haben ihm im Gegenzug ein paar schwierige deutsche Wörter beigebracht. Das war super lustig! Und jeden Abend rief Maureen: „ALEXA, play ABBA“ und dann schallte „Dancing Queen“ aus den Lautsprechern durchs ganze Haus und John und Maureen tanzten in der Küche. Als wir am Abreisetag unsere Koffer in Johns Auto luden, hat Maureen uns alle noch ein letztes Mal ganz fest umarmt. Ich glaube jeder von uns hat ein paar Tränen vergossen. Im Auto hat John dann ein allerletztes Mal ABBA angemacht. Mit „Mamma Mia“ fuhren wir zum Lighthouse, wo schon unser Bus nach London wartete. Ich werde die beiden nie vergessen!

 

Abschluss-Highlight London

Trotzdem ich traurig war Poole zu verlassen, habe ich mich auf die zwei Tage in London gefreut. Die zwei Stunden im Bus von Poole nach London vergingen rasend schnell. Im Hotel angekommen, ruhten wir uns kurz aus und dann ging es auch schon wieder los. Diesmal durften wir uns die Zimmeraufteilung aussuchen. Ich nahm natürlich mit Lu ein Zimmer.  

 

In London haben wir mit den Teamern erst eine Stadttour per Underground gemacht. Bei Bombenwetter erkundeten wir die Stadt danach auf eigene Faust. Wir fuhren mit dem London Eye und genossen den Blick auf London von oben. Danach gingen wir in die Art Gallery und anschließend machten wir tausend Fotos an den typischen roten Telefonzellen. Wir hatten eine Menge Spaß, liefen durch Londons Straßen und genossen den Tag. Abends ging es dann in das Musical Aladin. Das war ein absolut tolles Erlebnis. Den nächsten Tag haben wir nach einer kleinen Shoppingtour im Piccadilly Circus den Tag im Hyde Park ausklingen lassen. Und dann war meine England Sprachreise endgültig vorbei und es ging wieder nach Hause.

 

Zurück Zuhause

Ich kann euch sagen: Das war die traurigste Busfahrt, die ich je hatte und absolut keine Augen sind trocken geblieben. Immer wenn wieder jemand in seiner Heimatstadt aus dem Bus aussteigen musste, sind wir uns alle schluchzend in die Arme gefallen. Ich hatte in diesen zwei Wochen in England eine der besten siebzehn Tage meines Lebens. Es war ein Erlebnis, das mir heute und auch in ein paar Jahren noch viel bedeuten wird und das ich nie vergessen werde! Ich habe nicht nur mein Englisch verbessert, sondern auch sonst viel gelernt und für mein Leben mitgenommen. Ich schaue mir die Videos und Fotos noch sehr oft an und dann bekomme ich unglaubliche Sehnsucht nach England und den wunderbaren Sommertagen in Poole. Ich bin so froh, dass ich mich bei der Bürgerstiftung  beworben und dann auch noch so viel Glück hatte das Stipendium wirklich zu erhalten.    

 

Wenn ich nun irgendwo ein ABBA Lied höre, muss ich immer an das kleine, süße Haus in Poole denken und sehe John und Maureen in ihrer Küche tanzen.